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Home Bombenangriffe in Kiel (Jan. 1944) 8.1.1944: Aktivitäten im Universitätsgebäude 10.1.1944 bis 14.1.1944: Schlaglichter
 Materialien
 Dr. Fritz Lettenmeyer (1891-1953)
 Aus Tagebüchern
 Bombenangriffe in Kiel (Jan. 1944)

9.1.1944: Fund in der Universität

(Sonntags) Vormittags wie sonst in der Universität; es gab keine Sonntagsruhe. In einer Aktenkammer im Kellergeschoß wurde die Leiche D.'s gefunden. Sie war von herabgestürztem Mauerwerk bedeckt und wurde bald entdeckt, nachdem man auf die Idee gekommen war, in diesem Raum überhaupt zu suchen. Es war sehr schwer, den Körper hervorzuziehen; denn er war von einer mit Drahtgeflecht durchzogenen Gipsplatte bedeckt, welche die Decke des Raumes gebildet hatte. Die Leiche wurde in den Keller des Pathologischen Institutes gebracht. Dort lagen etwa 80 Leichen, teils in Kleidung, teils völlig nackt, teils auf Tischen, die meisten in verkrümmter Stellung auf dem Boden. Eine Frau mit verbranntem Gesicht und verbrannten Armstümpfen, welche sie wie anklagend in die Höhe hielt, ist mir besonders in Erinnerung. Auch drei Kinderleichen sah ich im Vorübergehen. Einem Begleiter wurde es übel. Daneben ist noch ein Keller, in welchem ungefähr ebensoviel Leichen liegen sollen. Es gibt aber in der Stadt noch weitere Leichensammelstellen.

Gestern hatte der Kurator noch gesagt, daß auch heute die tägliche Besprechung stattfinden solle; ich war aber um 16 Uhr der einzige Mensch im Anatomiegebäude. Ein warmes Abendessen gab es nicht, da das Gas nur flackert. Elektrisches Licht sieht man schon in vielen Häusern, auch uns gegenüber brennt es schon, nur in den paar Häusern auf unserer Straßenseite gibt es noch keinen Strom.


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Letzte Aktualisierung am 11. Juni 2017

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