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Home Lebensmittelbeschaffung in der Oberpfalz (1942/43) Lebensmittelbeschaffung in der Oberpfalz (1942/43) Osterreise im April 1943
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 Dr. Fritz Lettenmeyer (1891-1953)
 Aus Tagebüchern
 Lebensmittelbeschaffung in der Oberpfalz (1942/43)

Erste Reise im Dez. 1942

Ich kam am Samstag, 5.12., von Waldmünchen aus, wo ich übernachtet hatte, nach einem schönen Marsch von 12 km in frostklarer schöner Landschaft in T. bei Herrn H. an und blieb bis Montag vormittag. Leider kam Tauwetter, den ganzen Sonntag konnte ich wegen meiner dünnen Schuhe und des Schneeschlamms nicht hinaus. Es ist eine sehr primitive Bauernwirtschaft (mit Ökonomie); zwar ein größeres Gebäude, aber von mehr Leuten bewohnt; auch ein Gefangenentrupp haust darin. Großer, gepflasterter Hausgang, links die Gaststube mit Küche daneben, rechts scheint Gewölbe für den Metzgereibetrieb zu sein.

Das Gehöft liegt isoliert, zehn Minuten vom Dorf T.; es könnte im Sommer landschaftlich ganz hübsch sein; doch sind größere Wälder nicht so nahe, wie man es gerne hätte. Ob ich da mit Familie in die Sommerfrische hingehe, muß ich doch noch sehr überlegen. Es wäre nur der Ernährung halber. Zwei Frauen waren sogar jetzt als Gäste dort. Wohl auch nur wegen des Essens. Das ist nun, wie auch im Frieden in solchen Dorfwirtschaften, ganz auf Fleisch abgestellt. Ich bekam (ohne Marken) zwei große Fleischportionen, mittags und abends, doch als Zutaten nur Kartoffeln. Salat und Gemüse gibt's dort nicht. Längere Zeit möchte ich nicht so ernährt werden, aber für einige Tage tut es schon gut, dicke Fleischstücke vertilgen zu dürfen. Mit Butter war's sehr knapp, auch keine Marmelade.

Was ich aber am Montag mitbekam, war so ungeheuerlich, daß ich es fast dem Papier nicht anvertrauen möchte: einen halben Koffer voll Kalbfleisch! 27 Pfd. sollen es gewesen sein (à 3,50 M, insges. 94,50 M). Davon dürften 6-8 Pfd. Knochen gewesen sein. Ich habe den kostbaren Koffer bis Kiel nicht aus den Augen gelassen! Während der ganzen Fahrt habe ich mich auf die Überraschung gefreut, die ich mit diesen Mordstrümmern Fleisch hervorrufen würde. Wir hatten es hier auch wirklich nötig, mal was Nahrhaftes zu bekommen.

Mit Butter wurde ich aufs Frühjahr vertröstet, wenn's im Stall Zuwachs geben wird. Eine Gans war auch in dieser Gegend nicht aufzutreiben; ich habe mich für nächstes Jahr vormerken lassen. Dieser Gastwirt H. ist ein sehr freundlicher und gutmütiger Mann, der sich auch gern unterhält; es waren sicher keine leeren Redensarten, wenn er weiteres versprochen hat. Doch scheint es mir, daß diese Leute nicht gern etwas schicken; vielleicht hat das seine guten Gründe. Jedenfalls ist es ihnen lieber, wenn man holt. Meine halbjährlichen Reisen nach Bayern werden also in Zukunft einen recht komplizierten Rückweg haben!


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Letzte Aktualisierung am 11. Juni 2017

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