[Materialien-Startseite] [Impressum] [Kontakt]
Home Die Spuren der Familie Kleiber in Italien
 Materialien

Die Familie Kleiber in der Zeit um 1750 bis 1850

Von Gerhard Steinmeyer (Dez. 2007; ergänzt Juli 2008 und Sept. 2008)


Die Forschungen zur Familie Kleiber in Italien sind 2007 zu einem gewissen Abschluss gekommen, vor allem dank Matteo Giunti (Rom) durch seine Arbeit "Die Ausländer in Livorno" (I stranieri a Livorno), die im Internet veröffentlicht und ergänzt wird (4). Es ist Zeit, die Ergebnisse zusammen zu fassen, obwohl noch vieles fehlt, vielleicht das Wichtigste und Interessanteste: wie lebte die Familie, wo haben sie gewohnt, welche Rolle hatten sie im Wirtschaftsleben?

Die meisten hier gesammelten Daten stehen im Zusammenhang mit dem Tod der Einzelnen. Alle waren in der geschilderten Zeit in der Finanzbranche tätig. Livorno wurde ihre Heimat, als wichtige Stationen erscheinen die Städte Memmingen – Augsburg – Venedig – Livorno – Florenz – Nördlingen.

Die zitierten, nüchternen Lebensdaten der einzelnen Personen bringen uns die Welt des gehobenen Bürgertums in einer multinationalen Umgebung nahe.


1. Generation

Johann (Giovanni) Kleiber (1729-1804)

Johann Kleiber wurde am 03.02.1729 in Memmingen als Sohn des Metzgers Sebastian Kleiber (1687-1757) und Barbara geb. Ammann (1694-1735) geboren. Die Eltern heirateten 1728 in Memmingen. Johann Kleiber heiratete vor/um 1770 in Memmingen Veronika Walter.

Es ist nicht bekannt, wann das Ehepaar nach Italien ging und was sie dazu bewog. Ihre Tochter Katharina ist 1771 in Venedig geboren, in den Familienchroniken wird Johann Kleiber "Handelsherr in Venedig und Livorno" genannt. Die Wahl der Taufpaten 1771 in Venedig lässt darauf schließen, dass sie in den Kreisen der ausländischen Kaufleute aufgenommen waren und eine erste Verbindung mit Livorno bestand. Die Paten waren nämlich: Benedikt Adam Freiherr von Liebert, Edler von Liebenhofen (1731-1810) und Jakob Mayer aus Augsburg. Wann die Familie nach Livorno kam, ist nicht bekannt. Johann Kleiber schreibt sich 1787 als Mitglied in das Kirchenbuch der (protestantischen) Holländisch-Deutschen Kongregation in Livorno ein. Nach dem damaligen Brauch könnte er schon Jahre vor dem Eintrag mit seiner Familie nach Livorno gekommen sein. Bereits 1782 stirbt seine Frau Veronika.

Johann Kleiber wird 1794 und 1796 als Deputierter einer Bank (Banca dei Pagamenti del Pubblico Commercio) genannt. 1791 leiht er der Kongregation einen größeren Betrag zur Gestaltung der Feier anlässlich der Thronbesteigung von Ferdinand III.

Johann Kleiber stirbt 1804 und wird in dem alten Holländisch-Deutschen Friedhof in Livorno begraben. Nach der Auflassung dieses Friedhofes kommen die Überreste der Verstorbenen in ein Beinhaus im neuen Friedhof, wo der Name von Johann Kleiber auf einer gemeinsamen Gedenktafel aufgeführt ist.

(1) (2) (3) (4) (5)


Veronika (Veronica) Kleiber, geborene Walter (?-1782)

Veronika Walter wurde vermutlich in Memmingen geboren, wir kennen ihr Geburtsdatum nicht. Ihre Eltern waren wahrscheinlich Johann Georg Walter und Elisabeth geb. Hermann in Memmingen, die 1731 in Memmingen heirateten.

Veronika Kleiber heiratete um 1770 Johann Kleiber, weiter ist aus Ihrem Leben nichts bekannt.

Sie starb bereits 1782 und wurde im alten Holländisch-Deutschen Friedhof in Livorno begraben. Nach der Auflassung dieses Friedhofes kamen die Überreste der Verstorbenen in ein Beinhaus im neuen Friedhof, wo der Name von Veronika Kleiber auf einer gemeinsamen Gedenktafel aufgeführt ist.

Das Ehepaar Kleiber hinterließ zwei Töchter (um 1770, 1771) und einen Sohn (um 1772).

(1) (3) (5)


2. Generation

Anne (Maria Anna) Hall geborene Kleiber (?-1843) und Thomas Hall (1750-1825)

Anne Hall ist die erst kürzlich für die deutschen Verwandten wiederentdeckte Schwester von Katharina Beck. Ihr Geburtsjahr ist um 1770, ihr Geburtsort ist nicht bekannt. Da sie bereits 1786 heiratete, ist anzunehmen, dass sie das erste Kind des Ehepaars Kleiber war. Sie heiratete am 29.03.1786 in Livorno den Engländer Reverend Thomas Hall und begründete damit eine für Livorno typische Ausländerfamilie aus Personen verschiedener Nationalität und zunächst ohne Italiener.

Aus ihrem Leben ist wenig bekannt, ihr Ehemann lobte sie als eine sehr gute Klavierspielerin. Sie starb 1843 und wurde in dem neuen Holländisch-Deutschen Friedhof in Livorno bestattet.

Ihr Ehemann Thomas Hall (auch Thomas Baudouin, Bowdoin) war Pastor der anglikanischen Kirche in Livorno und ein wichtiger Mann der englischen Kolonie. Von ihm gäbe es mehr zu berichten, siehe auch (4), er war eine interessante Persönlichkeit. Thomas Hall wurde am 08.04.1750 in Philadelphia (Nordamerika) getauft. Seine Eltern waren John Hall (1722-1798) und Sarah Parry (um 1726-?), er hatte sechs Geschwister.

Von Thomas Hall wird berichtet, dass er, anzunehmen mit seiner Familie, im ersten Stock eines herrschaftlichen Hauses in Livorno nahe der Kirche Santa Catarina im Stadtteil Venezia Nuova gewohnt hat. Thomas Hall starb am 12.04.1825 in Livorno und wurde in dem alten Englischen Friedhof in Livorno begraben.

Inschrift auf dem Grabmal des Rev. Thomas Hall (1750-1825) im alten Englischen Friedhof in Livorno (Italien):

      Übersetzung:
Sacred to the Memory of Geweiht dem Gedenken an
The Rev. Thomas Hall den Pastor Thomas Hall,
Who for nearly 41 years filled the office der fast 41 Jahre seine Dienstpflichten erfüllte
And faithfully performed the functions und getreulich das Amt
Of Chaplain to the British Factory at Leghorn als Kaplan der britischen Handelsniederlassung zu Livorno bekleidete.
To the zealous discharge of his religious duties Zur eifrigen Erfüllung seiner religiösen Pflichten
He added the best qualities of the heart fügte er die besten Eigenschaften des Herzens hinzu.
And a characteristical firmness which at a Und mit einer bemerkenswerten Standhaftigkeit während
Period of foreign invasion saved from destruction einer Zeit feindlicher Invasion bewahrte er
The Sanctuary where his ashes now repose das Heiligtum, wo seine Asche nun ruht, vor der Zerstörung.
He was born in Philadelphia the year 1750 Er wurde im Jahre 1750 in Philadelphia geboren
And died at Leghorn 12th April 1825 und verstarb in Livorno am 12. April 1825
Aged 74 Years im Alter von 74 Jahren.
This Monument has been erected by the British Factory Dieses Grabmal wurde von der britischen Handelsniederlassung errichtet
In token of Respect for his Memory zum Zeichen des Respektes für sein Andenken
And affectionate remembrance und liebevoller Erinnerung
Of his Virtues an seine Verdienste.

Das Ereignis, auf das in der Inschrift mit "foreign invasion" Bezug genommen wird, soll sich während der Besetzung Livornos durch Frankreich im Jahr 1803 zugetragen haben. Die in Livorno ansässigen Engländer waren zum großen Teil unter Mitnahme ihrer Habe, soweit möglich, vor den für sie feindlichen Franzosen geflohen. Napoleon wollte, wohl aus Wut wegen der entgangenen Beute, den Englischen Friedhof zerstören. Rev. Thomas Hall soll Napoleon entgegen getreten sein und erklärt haben, dass der Friedhof nur über seine Leiche zu betreten sei. Darauf soll Napoleon auf seine Absicht verzichtet haben. (15)

Das Ehepaar Hall hatte eine Tochter (1787) und drei Söhne (1790, um 1794, 1810).

(2) (3) (4) (9) (13)


Katharina Beck, geborene Kleiber (1771-1851) und Johann Philipp Beck (1766-1840)

Katharina Johanna Kleiber wurde am 23.08.1771 in Venedig geboren. Die Urkunde über ihre Taufe am 27.08.1771 in der (katholischen) Kirche Santa Marina in Venedig ist in Abschrift erhalten, dadurch wissen wir mehr von ihr. Ihre Taufpaten, sie wurden bereits bei ihren Eltern erwähnt, waren mit ihnen als Landsleute und geschäftlich verbunden. Sie kam mit ihren Eltern nach Livorno, wo ihre Mutter bereits 1782 starb.

Katharina Kleiber heiratete am 05.05.1793 in Erkheim den Pfarrer Johann Philipp Beck, geboren 31.05.1766 in Möhringen. Seine Eltern waren Johann Leonhard Beck (1727-1774), ebenfalls Pfarrer, und Charlotte geb. Märklin (1731-1784). Katharina Beck begleitete ihren Mann in seine verschiedenen Stellen als Erzieher und dann Pfarrer in Memmingen, Kaufbeuren, wo ihre Kinder geboren wurden, und nach Nördlingen, wo er 1813 zum Dekan berufen wurde.

Johann Philip Beck starb hoch geachtet am 30.03.1840 in Nördlingen, Katharina überlebte ihren Mann und starb am 20.10.1851 in Nördlingen. Sie galt in Nördlingen als die "Italienerin". Ob sie noch einmal in Venedig und Livorno war? Ein Portrait von ihr ist in der Familie erhalten, ein Stich von Johann Philipp Beck in der Literatur abgedruckt. Das Ehepaar hatte einen Sohn (1794) und zwei Töchter (1796, 1798).

(1) (5)


Sebastian Kleiber (um 1772-1836)

Auch Sebastian (Sebastiano) Kleiber wurde erst kürzlich für die deutschen Verwandten als Bruder von Katharina Beck wieder entdeckt. Sein Geburtsjahr ist um 1772, der Geburtsort ist nicht bekannt.

Im Jahr 1798 wird er durch seinen Eintrag in das Kirchenbuch der Holländisch-Deutschen Kongregation in Livorno als Mitglied genannt und er verpflichtet sich, einen bestimmten Beitrag zu bezahlen. Er war als Kaufmann tätig, Partner des Bankiers Emanuele Fenzi, Delegierter der Handelskammer Livorno (gegründet 1801) und ein Wohltäter. Sebastian Kleiber wird als ein Mit-Gesellschafter ab 1827 eines Kupfer-Bergwerkes in der Toskana erwähnt.

Die industrielle Nutzung der Kupfervorkommen in der Val di Cecina bei dem Ort Montecatini Val di Cecina (Provinz Pisa) begann 1827, als Luigi Porte zusammen mit Sebastiano Kleiber und Giacomo Luigi Leblanc die Società di Industria Mineraria gründete. Die Leitung des Bergwerkes wurde 1828 Augusto Schneider, einem Bergbau-Ingenieur aus Freiberg (Sachsen) übertragen, der sie bis 1873 innehatte. Die Gesellschaft löste sich 1836 (Todesjahr von Sebastiano Kleiber) auf, der Betrieb ging an die Brüder Orazio und Alfredo Hall (Neffen und Erben des Sebastiano Kleiber), den Engländer Francesco Giuseppe Sloane und den Italiener Pietro Igino Coppi über. Im Jahr 1873 wechselte der Besitz an den Grafen Demetrio Butourline. ... 1888 wurde aus dem Bergwerk die Società Anomina delle Miniere di Montecatini, die Ursprung des einst größten italienischen Chemie-Konzern Montecatini wurde, der wiederum mit der Edison zu Montedison fusionierte.

Einige weitere Nachrichten über Sebastian(o) Kleiber gibt uns die Grabinschrift:

      Übersetzung:
SEBASTIANO KLEIBER Sebastiano Kleiber,
CHE ANTEPOSE AD OGNI AMBIZIONE der allem Ehrgeiz
L'ONOR DI LODATISSIMO COMMERCIANTE die Ehre eines hochgeachteten Kaufmanns vorzog,
FU PRONTO AD OGNI BEN PUBBLICO war für jedes öffentliche Wohl bereit
E NEI PRIVATI BENEFIZI AMO IL SECRETO und zog bei seinen Wohltaten Verschwiegenheit vor.
MORI DA QUASI LXIII [Er] starb mit fast 63 [Jahren]
DESIDERATO CON LACRIME unter Tränen ersehnt
DALLE SUE SORELLE AMANTISSIME von seinen geliebten Schwestern
E DAI TRE NIPOTI EREDI und von seinen drei Neffen und Erben,
CHE GLI FECERO IL MONUMENTO die das Grabmal widmeten
MDCCCXXXVI 1836

Sebastian Kleiber starb am 22.01.1836 und wurde im Englischen Friedhof in Florenz, Piazzale Donatello, begraben. Er war offensichtlich unverheiratet, galt als Deutscher, trotz der Grabinschrift in italienischer Sprache. Das Grabmal ist noch erhalten. Die drei Neffen, die ihn nach der Inschrift beerbten, waren: Horace Hall, Alfred Charles Hall und Ernst Beck.

(2) (4) (6) (7) (14)


3. Generation

Jane Stub geborene Hall (1787-1823) und Gerhard Stub (1785-1858)

Jane (Giovanna Veronica Margherita) Hall wurde am 29.01.1787 in Livorno geboren und am 11.02.1787 getauft. Sie heiratete am 25.01.1809 Gerhard (Gherardo) Stub, der aus Bergen (Norwegen) kam und dort 1785 geboren wurde. Seine Eltern waren Jacob Stub (1750-1810) und Emma geborene Dissenttun (1751-1820), seit 1777 verheiratet. 1815 schrieb er sich als Mitglied in das Kirchenbuch (Rotes Buch) der Holländisch-Deutschen Kongregation in Livorno ein, dies galt auch für seine Familie. In Livorno war er als Kaufmann tätig, ab 1846 Konsul von Norwegen und Schweden, die beiden Staaten waren damals vereinigt, und von der Stadt Livorno geehrt. Die Familie wohnte in Livorno, Via Castelli.

Jane Stub starb bereits am 01.05.1823 in Pisa und wurde am 04.05.1823 im alten Englischen Friedhof in Livorno beigesetzt. Gerhard Stub starb am 18.02.1858 in Livorno und wurde im Familiengrab im neuen Holländisch-Deutschen Friedhof in Livorno begraben.

Das Ehepaar Stub hatte drei Töchter (1810, 1812, um 1813) und drei Söhne (1815, 1817, 1818).

(2) (3) (4) (9)


Horace Hall (1790-1867) und Giulietta Corridi, Constanza Lamberti

Horace (Orazio) Hall (Kleiber Hall) wurde am 26.08.1790 in Livorno geboren. Wahrscheinlich war er als Bankier in Florenz tätig. Horace Hall war in erster Ehe mit Giulietta Corridi, in zweiter mit Constanza Lamberti verheiratet (seine Ehefrauen stammten aus bedeutenden Livorneser Familien) und starb am 16.12.1867 in Florenz, er wurde im Englischen Friedhof in Florenz, Piazzale Donatello bestattet. Das Grab besteht noch.

(2) (4) (8)


Thomas Hall (um 1794-1815)

Thomas Sebastian Hall wurde um 1794 wahrscheinlich in Livorno geboren und verstarb bereits im Alter von etwa 21 Jahren am 13.08.1815 an den Folgen eines Unfalles. Er wurde im alten Englischen Friedhof in Livorno bestattet.

(4) (9)


Alfred Charles Hall (1810-1877) und Eliza geborene Matthews

Alfred Charles (Alfredo Carlo Tommaso) Hall wurde am 02.06.1810 in Livorno als "Nachzügler" geboren und überlebte seine Eltern und Geschwister. Er war ein erfolgreicher Geschäftsmann und wurde bereits 1839 als Mitglied des toskanischen Ordens von Santo Stefano mit dem Titel Nobile di Fiesole geadelt. Er war als Engländer eingetragen.

Am 16.03.1842 heiratete er Eliza Matthews, Tochter des britischen Generalkonsuls Matthews in Lissabon. Sie wohnten 1847 in Livorno, Via delle Siepi.

Alfred Charles Hall starb am 16.09.1877 in Florenz und wurde am 18.09.1877 im Englischen Friedhof, Florenz, Piazzale Donatello bestattet. Das Grab ist erhalten, die Grabinschrift lautet:

      Übersetzung :
IN MEMORY OF Zum Gedenken an
ALFRED CHARLES HALL Alfred Charles Hall
OF CAMERATA von Camerata
SON OF THE REV. THOMAS HALL Sohn des Pastors Thomas Hall,
BORN 2ND JUNE 1810 DIED 16THE SEPBRE 1877 geboren am 2. Juni 1810, verstorben am 16. September 1877
ERECTED BY HIS SORROWING FAMILY Errichtet von seiner trauernden Familie.
AND THE WORK OF RIGHTEOUSNESS SHALL BE PEACE Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein
AND THE EFFECT OF RIGHTEOUSNESS QUIETNESS und der Gerechtigkeit Nutzen wird ewige Stille
ASSURANCE FOR... und Sicherheit sein.
LA MORTE DEI SANTI DEL IGNOTE PREZIOSE AL SUO COSPETTO Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Frommen
...

[Anm.: erstes Bibelzitat aus Jes 32, 17; dt. Text lt. Lutherbibel 1912; zweites Bibelzitat aus Ps 116,15; dt. Text lt. in Anlehnung an die Elberfelder Bibel 1905. – Bibeltexte vom  http://www.bibel-online.net/ www.bibel-online.net]

Das Ehepaar hatte drei Töchter:

(4) (7) (8)


Ernst Beck (1794-?)

Ernst Beck wurde 1794 in Kaufbeuren geboren, 1836 als "Banquier" in Paris und später als Gutsbesitzer in Göggingen genannt.

(1)


Elisabeth Wiedenmann geborene Beck (1796-1854) und Ernst Wiedenmann (1794-?)

Elisabeth Beck wurde am 11.06.1796 in Kaufbeuren geboren. Sie heiratete am 23.11.1836 in Nördlingen Ernst Wiedenmann, der in Nördlingen am 19.12.1794 als Sohn von Georg Daniel Wiedenmann (1753-1825) und Anna Sibylla Gall geboren wurde. Ernst Wiedenmann war Rentamtsmann in Neuenburg vor dem Wald.

Das Ehepaar hatte drei Töchter, die in Neunburg vorm Wald geboren wurden:

(1)


Wilhelmine Christiane Osiander geborene Beck (1798-?)

Wilhelmine Christiane Beck wurde 1798 in Kaufbeuren geboren, sie heiratete am 10.10.1819 in Nördlingen Immanuel Osiander, Zollverwalter in Stuttgart. (1)


4. Generation und weitere aus der Familie Stub

Marianna Georgetta Emma Stub (1810 -1832)

Marianna Georgetta Emma Stub, geboren 1810, starb in jungen Jahren und wurde im alten Holländisch-Deutschen Friedhof in Livorno begraben. Nach Auflassung dieses Friedhofes kamen die Überreste der Verstorbenen in ein Beinhaus im neuen Holländisch-Deutschen Friedhof Livorno, wo der Name von Marianna Georgetta Emma Stub auf einer gemeinsamen Gedenktafel aufgeführt ist. (3) (4)


Ida Elisa Ortensia Chun geborene Stub (1812-?) und Franz Chun (um 1816-?)

Ida Elisa Ortensia Stub wurde 1812 in Bergen ? (Norwegen) geboren und heiratete am 16.11.1841 Franz (Francesco) Chun (Kahn), der um das Jahr 1816 geboren wurde. Ein Alfred Jacob Oskar Chun wurde 1846, eine Catarina Chun 1864 im Holländisch-Deutschen Friedhof in Livorno beerdigt, sie könnten seine Eltern sein.

Franz Chun hat sich unter F. Chun 1842 in das Kirchenbuch der Holländisch-Deutschen Kongregation Livorno eingetragen, er galt als Frankfurter, die Familie kam ursprünglich aus der Schweiz.

Die Todesjahre des Ehepaares sind nicht bekannt. Ein Familiengrab Stub-Chun im neuen Holländisch-Deutschen Friedhof Livorno besteht noch.

Ein Sohn des Ehepaares ist als Axel Chun bekannt. Vielleicht ist er identisch mit dem Autor: Chun, Axel. Manuale del Rappresentante di Commercio, Milano 1911

(2) (3) (4)


Elvira Lucilla Urtia Stub (1813-?)

Elvira Lucilla Urtia Stub wurde um 1813 geboren, weitere Daten aus ihrem Leben sind nicht bekannt.

(4)


Kield Horace Stub (1815-1816)

Kield Horace Stub wurde am 03.07.1815 geboren und starb am 23.07.1816 im Alter von einem Jahr. Er wurde im alten Englischen Friedhof, Livorno begraben.

(4) (9)


Harald Stub (1817-1898) und Susan Mary geborene Jago (1822-?)

Harald (Arald Horace Kield Rodolphe, Araldo) Stub wurde am 14.03.1817 in Livorno, nun in zweiter Generation als Livorneser, geboren.

Er studierte in Leipzig und unternahm viele Reisen, seine handschriftlichen Erinnerungen aus den Jahren 1830 bis 1872 wurden von seinen Erben der Stadtbibliothek Livorno übergeben. Harald Stub arbeitete in der von seinem Vater gegründeten Bank (Banco dei Scambi) in Livorno.

Er heiratete 1843 die Engländerin Susan Mary (Susanna) Jago, geboren 1822.

In Nachfolge zu seinem Vater wurde Harald Stub 1852 Konsul von Norwegen und Schweden im Großherzogtum Toskana und zum Ritter des Königlichen Wasa-Ordens ernannt.

Im Jahr 1844 hat Harald Stub sich als Mitglied in das Kirchenbuch (Rotes Buch) der Holländisch-Deutschen Kongregation in Livorno eingetragen, wird 1858 wieder als Mitglied genannt und leistete 1862 einen Beitrag zum Kirchenbau. Er war Rat bei der Sparkasse Livorno (Cassa di Risparmi Livorno), hat zur Gründung des Waisenhauses (Asili Infantili della Cassa di Risparmi Livorno) finanziell beigetragen und 1887 sein Haus als Sitz des Waisenhauses übertragen.

Harald Stub ist am 26.01.1898 in Livorno gestorben, er wurde im neuen Holländisch-Deutschen Friedhof Livorno im Familiengrab Stub-Chun beigesetzt. Das Ehepaar hatte keine Kinder.

(2) (3) (4)


Oscar Stub (1818-1887) und Persis geborene Bobiear (1832-1894)

Thomas Oscar Jacob Stub wurde am 17.04.1818 in Livorno geboren. Er beherrschte acht Sprachen (professor of linguistics?), wanderte nach England aus und arbeitete um 1846 als Kaufmann in Liverpool.

Oscar Stub heiratete 1848 Persis Rebecca Bobiear, die am 07.03.1832 in Wexford (Irland) geboren wurde. Sie stammte aus einer hugenottischen Familie aus Frankreich, die nach Irland und von dort zwischen 1836 und 1846 nach England ausgewandert war.

Die Familie Oscar und Persis Stub wiederum ging nach Australien, wo sie nach einer Schiffsliste 1853 Melbourne erreichten. Mit ihnen waren ihre zwei ältesten Kinder, die Eltern und eine Schwester von Persis Stub.

Das Ehepaar Oscar und Persis Stub hatte 12 Kinder, von denen sieben das Erwachsenenalter erreichten.

Oscar Stub verstarb am 2.12.1887 in Melbourne (Victoria, Australien) und wurde im Friedhof von Brighton (Victoria, Australien) beigesetzt. Seine Frau Persis verstarb 1894.

Von ihrem Sohn Umberto Leicester Kiel Stub (1871-1965) sind Nachkommen aus seiner ersten Ehe (1901) mit Lilian May Swan (1873-1921) bekannt. Es ist dies Joy Schnerring in Australien, die in einer genealogischen Suchmeldung 2000, zuletzt 2008, angibt, dass Oscar und Persis Stub ihre Ur-Großeltern waren.

Michelangelo Stub (1845-?) soll ein weiterer Nachkomme von Oscar Stub sein (?). Er heiratete Elisabeth Jane Monteagresti und nannte sich Michelangelo Stub Monteagresti. In den Jahren 1916 bis 1917 gehörte er der Australischen Armee an. Von ihm ist überliefert, dass er Goldminen in Australien besaß:

Michelangelo Stub Monteagresti, from Livorno, was the manager and shareholder of several gold mines in Walhalla in the 1870s, including The Welcome, Golden Dream, Evening Star, Longfellow, Empress in which Lucio, Pietro and Angelo Monigatti, from Brusio had shares. Michelangelo's home occupied the fourth block north of the State School. In the opposite side of the road was the office of Longfellow Gold Mining Company of which he was manager.

(Übersetzung: Michelangelo Stub Monteagresti aus Livorno, war der Direktor und Teilhaber etlicher Goldminen in Walhalla in den 1870er Jahren, insbesondere The Welcome, Golden Dream, Evening Star, Longfellow, Empress, an denen Lucio, Pietro und Angelo Monigatti aus Brusio Anteile hatten. Michelangelos Haus belegte den vierten Block nördlich der staatlichen Schule. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich das Büro der Longfellow Gold Mining Company, deren Direktor er war.)

http://www.walhalla.org.au/ Walhalla war eine einst blühende Goldgräber-Stadt im Staat Victoria, Australien.)

(4) (11) (12)


Quellen

(1) Familien-Zeitschrift "Die Rehlen-Sippe", Heft 26 (1968), 34/35 (1975)
(2) Panessa, Del Nista: La Congregazione Olandese-Alemanna, Livorno 2002, Debatte O. S.R.L.
(3) Panessa, Del Nista: I Giardini della Congregazione Olandese-Alemanna, Livorno 2004, Debatte O. S.R.L.;
siehe auch unter https://it.wikipedia.org/wiki/Cimitero_della_Congregazione_Olandese_Alemanna
(4) I Stranieri a Livorno,   http://gw.geneanet.org/alivornesi
(5) Rieser Biographien, Nördlingen 1993: Beck, Johann Philipp (Verfasser: Dr. Hermann Vogel)
(6) Emanuele Fenzi,   https://it.wikipedia.org/wiki/Emanuele_Fenzi
(7) Alphabetical Register of the tombs in the Protestant Cemetery of Florence, called "The English Cemetery", Piazzale Donatello,   http://www.florin.ms/cemetery2.html
(8) Alphabetical Register of the tombs in the Protestant Cemetery of Florence,   http://www.florin.ms/allori.html
(9) Antico Cimitero Inglese, Livorno,   https://it.wikipedia.org/wiki/Antico_Cimitero_degli_Inglesi
(10) Nuovo Cimitero Inglese, Livorno,   https://it.wikipedia.org/wiki/Nuovo_Cimitero_degli_Inglesi
(11) Walhalla's Italian Community,   http://www.walhalla.org.au/news/0510Italians.htm
(12) Bobiear/De Bobiea, Ireland,   http://genforum.genealogy.com/cgi-bin/pageload.cgi?schnerring::quaker::758.html
(13) Nach William and Mary Quarterly, Band 23, Nr. 1, Juli 1914, S. 48.
(14) Il Patrimonio industriale della Provincia di Pisa: Le miniere "color di rame" della Val di Cecina,   http://www.industriadellamemoria.it/percorsi.asp?ID_Percorso=9
(15) Aus der Zeitschrift "William and Mary College, Quarterly Historical Magazine" Vol. 22, No. 3, Januar 1914


Dieser Chronik ist in kürzerer Fassung vorangegangen: Die Spuren der Familie Kleiber in Italien

siehe auch: Personenverzeichnis zum vorliegenden Aufsatz

siehe auch: Stammbaum-Graphik Stammbaum-Graphik (104 kB) (Stand 04.04.2008)


Orte der Erinnerung, mit den heutigen Straßennamen

zu Livorno siehe auch:   http://www.comune.livorno.it/_livo/pages.php?id=68&lang=it, dann links unten bei "documenti allegati": "Verflechtung unterschiedlicher Kulturen"


Livorno – die Stadt, in der sie lebten

Als die Familie Kleiber Ende des 18. Jahrhunderts kam, war Livorno eine international bedeutende Hafen- und Handelsstadt im souveränen Großherzogtum Toskana unter den Herrschern aus dem Haus Habsburg-Lothringen.

Für die Stadtentwicklung bestimmend waren die unter Ferdinand I. Medici 1591 bis 1593 erlassenen "Leggi Livornine", die den Zuzug von Ausländern ermöglichten und ihnen Freiheiten gewährten. Erst 1606 wurde Livorno zur Stadt erhoben. Für den Handel – Umschlag von Gütern aus Westeuropa nach den östlichen Mittelmeerländern und umgekehrt – war die Einrichtung des Freihafens 1618 unter Cosimo II. Medici wichtig.

Livorno hatte 1790 39.500 Einwohner, 1837 68.000.

Einen Einbruch brachte die Napoleonische Zeit, aber das Finanzwesen – Livorno war auch ein internationaler Finanzplatz – wurde nicht stark betroffen. Livorno gehörte, wie die ganze Toskana, zeitweise zu Frankreich.

Nach Rückkehr der Großherzöge Habsburg-Lothringen ging es wirtschaftlich wieder aufwärts, Livorno musste sich jedoch stärker auf sein Hinterland orientieren. Dazu half die bereits 1844 eröffnete Eisenbahn Livorno – Florenz, die von den ansässigen meist ausländischen Bankiers in Livorno und Florenz finanziert wurde.

Einen endgültigen Bruch brachte die Eingliederung der Toskana in das Königreich Italien 1868 und die Abdankung der Großherzöge. Der Status des Freihafens wurde 1868 abgeschafft, Livorno wandelte sich zu einer Industriestadt der verarbeitenden Industrien und zum Seebad.

Nebenbei: Es fällt auf, daß Livorno in der englischen Sprache Leghorn genannt wird. Etwas blieb im deutschen Sprachraum hängen: die Rasse des weißen italienischen Landhuhns wird allgemein mit Leghorn-Rasse bezeichnet.


Copyright © http://www.ahnendaten.de/materialien/
Letzte Aktualisierung am 11. Juni 2017

Home Die Spuren der Familie Kleiber in Italien